Warum traditioneller handgepflückter Hon-Gyokuro immer seltener wird
In den vergangenen Jahren hat Matcha weltweit einen beispiellosen Boom erlebt.
Von Cafés über spezialisierte Teehäuser bis hin zu Luxushotels und Wellness-Resorts wächst die Nachfrage nach Matcha stetig. Einerseits ist das eine wunderbare Entwicklung, denn immer mehr Menschen entdecken die Vielfalt des japanischen Tees. Gleichzeitig hat dieser Erfolg jedoch eine weitreichende Folge, über die kaum gesprochen wird: Einer der seltensten Tees Japans – der traditionelle handgepflückte Hon-Gyokuro (die höchste Qualitätsstufe des authentischen Gyokuro, nach traditioneller Tana-Beschattung kultiviert und Blatt für Blatt von Hand geerntet) – wird immer seltener.
Die verborgene Auswirkung des Matcha-Booms
Viele Menschen gehen davon aus, dass Matcha und Gyokuro auf völlig unterschiedlichen Teefeldern angebaut werden.
Tatsächlich stammen beide von beschatteten Teepflanzen. Der Unterschied liegt erst in der Weiterverarbeitung der Blätter. Während Tencha zu Matcha vermahlen wird, werden Gyokuro-Blätter als hochwertiger Blatttee verarbeitet.
Mit der weltweit steigenden Nachfrage nach Matcha ist der Anbau von Tencha für viele Teebauern wirtschaftlich deutlich attraktiver geworden. Deshalb stellen zahlreiche Teegärten, die früher Gyokuro produzierten, ihre beschatteten Felder ganz oder teilweise auf Tencha um.
Doch die Entwicklung geht noch deutlich weiter.
In Regionen wie Kyoto und Kyushu beginnen inzwischen sogar Sencha-Produzenten, die bisher nie beschatteten Tee angebaut haben, Tencha für Matcha zu produzieren.
Noch bemerkenswerter ist jedoch eine andere Entwicklung: Selbst in Regionen, die seit Generationen für traditionellen Hon-Gyokuro bekannt sind, widmen einige Produzenten heute einen Teil ihrer beschatteten Teegärten der Tencha-Produktion.
Mit anderen Worten: Einige der Teegärten, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg traditionellen Hon-Gyokuro hervorgebracht haben, produzieren heute Matcha-Rohmaterial.
Ein struktureller Wandel der japanischen Teeindustrie
Dabei handelt es sich nicht um einen kurzfristigen Trend.
Vielmehr erlebt die japanische Teeindustrie derzeit einen tiefgreifenden strukturellen Wandel.
Je mehr beschattete Teegärten für Tencha genutzt werden, desto geringer wird die verfügbare Menge an traditionellem Hon-Gyokuro.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im absoluten Spitzensegment.
Authentischer handgepflückter Hon-Gyokuro lässt sich nicht einfach in größeren Mengen produzieren. Jedes einzelne Blatt wird von Hand geerntet. Diese Arbeit erfordert außergewöhnliches Können, jahrelange Erfahrung und viel Zeit. Die jährlichen Erntemengen sind deshalb von Natur aus äußerst begrenzt.
Mit jedem Produzenten, der diese Tradition aufgibt, wird echter handgepflückter Hon-Gyokuro noch seltener.
Ein Blick nach Shizuoka
Interessanterweise verläuft diese Entwicklung nicht in allen Anbaugebieten Japans gleich schnell.
Im Vergleich zu Teilen Kyotos und Kyushus scheint Shizuoka einen größeren Teil seiner traditionellen Hon-Gyokuro-Produktion bewahren zu können. Nach meinen Gesprächen mit Teebauern und Branchenvertretern erfolgt die Umstellung auf Tencha hier bislang deutlich langsamer. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch die starke regionale Verbundenheit mit traditionellen Anbaumethoden dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.
Dennoch wird auch in Shizuoka traditioneller handgepflückter Hon-Gyokuro immer knapper.
Als ich Ende April 2026 unseren exklusiven Single Tea Farmer sowie die landwirtschaftliche Genossenschaft in Okabe (Asahina) besuchte, konnten wir die für Kanoa Tea reservierte Erntemenge für 2026 final sichern. Während dieses Besuchs wurde mir mitgeteilt, dass die gesamte Produktion des traditionellen handgepflückten Hon-Gyokuro dieses Erntejahres bereits vollständig verkauft war. Dank unserer langjährigen Partnerschaft und der frühzeitigen Reservierung konnte sich Kanoa Tea seine Zuteilung sichern, bevor die gesamte Ernte vergeben war.
Für mich hat dieses Gespräch eindrucksvoll gezeigt, wie begrenzt das Angebot an authentischem handgepflücktem Hon-Gyokuro inzwischen geworden ist.
Steigende Preise sind nur ein Teil der Geschichte
Mit der sinkenden Verfügbarkeit steigen zwangsläufig auch die Preise.
Für die Ernte 2026 wird bei hochwertigstem handgepflücktem Hon-Gyokuro mit Preissteigerungen von bis zu 30 % gerechnet.
Doch die eigentliche Geschichte handelt nicht von höheren Preisen.
Sie handelt davon, eine jahrhundertealte Teekultur zu bewahren.
Sobald ein Teegarten die Produktion von traditionellem Hon-Gyokuro aufgibt, gehen auch das spezialisierte Wissen, die handwerkliche Erfahrung und die über Generationen weitergegebenen Fertigkeiten zunehmend verloren.
Eine lebendige Tradition bewahren
Bei Kanoa Tea arbeiten wir direkt mit unserem exklusiven Single Tea Farmer in Shizuoka, zusammen, um jedes Jahr kleine Mengen traditionellen handgepflückten Hon-Gyokuro zu sichern.
Unser Ziel ist dabei weit mehr als außergewöhnlichen Tee anzubieten.
Wir möchten jene Teebauern unterstützen, die sich weiterhin einer der anspruchsvollsten und traditionsreichsten Handwerkskünste Japans widmen.
Der weltweite Erfolg von Matcha ist zweifellos eine Bereicherung für die japanische Teekultur.
Gleichzeitig verändert er die japanische Teelandschaft auf eine Weise, die außerhalb der Branche bislang kaum wahrgenommen wird.
Indem wir weiterhin authentischen handgepflückten Hon-Gyokuro mit der Welt teilen, möchten wir dazu beitragen, nicht nur einen der außergewöhnlichsten Tees Japans, sondern auch das dahinterstehende Wissen, Handwerk und kulturelle Erbe für kommende Generationen zu bewahren.
Erleben Sie eine der seltensten Teespezialitäten Japans – exklusiv von unserem Single Tea Farmer in Okabe (Asahina), Shizuoka.